ABSCHIED

Blog Juni

Mein Jahr hier in Timisoara nähert sich mit Riesenschritten seinem Ende  …   !
Es ist noch so viel zu tun, vieles ist noch nicht abgeschlossen. Werde ich alle meine Vorhaben beenden können?
Eines ist sicher: Es war eines der reichsten Jahre meines Lebens. Reich durch das Eintauchen in eine andere Kultur mit vielen Facetten von denen ich einige kennenlernen durfte. Reich durch völlig neue Arbeitsbereiche, in denen ich mich bewähren wollte. Besonders reich durch die Menschen, die mir begegneten und für die ich ganz besonders dankbar bin. Ich nehme eine riesigen Schatz an Erfahrungen mit zurück nach Österreich den ich ganz bestimmt nicht missen möchte.

Ich habe unsere Betreuerin der Entsendeorganisation als durchgehend für uns da empfunden, die von sich aus immer wieder nachgefragt hat wie es uns geht, uns besucht hat, und bei Bedarf unterstützend eingriff, ein äußerst hohes Maß an Einsatz der Jesuitenmission, der es erleichtert den Einsatz zu einem erfolgreichen werden zu lassen.

Fortsetzung Ende Juli:

In 4 Tagen trete ich meine Heimreise an – unglaublich, wie die Zeit verfliegt. Der Abschied von den Menschen in den Projekten hat begonnen, tränenreich und wehmütig aber auch dankbar für das gemeinsam Erlebte. Und immer wieder die Frage „Kommst du wieder? Wenn du in Rumänien bist musst du mich / uns unbedingt besuchen!“ – Ich muss eine Liste der zu besuchenden Leute anlegen, damit ich niemanden vergesse.

Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Menschen um Hilfe gebeten und ein unglaubliches Maß an bereitwilliger, wertschätzender Unterstützung erfahren. Was immer ich hier in Angriff nahm, und einiges davon erschien den zuständigen Leuten als absurd, unnötig … ich fand immer jemanden, der / die mir half das scheinbar Unmögliche zu Realität werden zu lassen: die vielen gratis Transporte, medizinische gratis Behandlungen ohne die erforderlichen Papiere (z.T. in den falschen Spitälern – „I want to help you, you are a great person“).
Aber auch bei ganz praktischen Arbeiten konnte ich helfende Hände finden, die mit Begeisterung bei der Sache waren: Auflagen der Kirchenbänke  neu beziehen, Streicharbeiten im Centruluiii de Copii „Casa Pater Berno“, Schotterhaufen mitten in der Wiese an den Rand befördern.
Einige Ideen blieben unverwirklicht – ich spüre wie das schmerzt: mit den Besuchern der Suppenküche „ihren“ Raum renovieren oder zumindest gründlich reinigen. Es wäre für sie wichtig gewesen und ich glaube, gegen alle Unkrufe,  auch möglich.

Zum Abschluss habe ich noch eine Sommergrippe eingefangen, meine sonst so gut funktionierende Abwehr scheint den Virenstämmen hier nicht gewachsen zu sein. Jedenfalls zwingen mich das Fieber und die zerschlagenen Knochen und Muskel etwas leiser zu treten und ermöglichen die Fertigstellung des letzten Blogs ;)))

Freue mich euch alle wieder zu sehen!

Maria aus Timisoara

 

CApitalism will eat democracy

Advanced Listening and Vocabulary

White Privilege

http://www.huffingtonpost.com/entry/what-i-said-when-my-white-friend-asked-for-my-black_us_578c0770e4b0b107a2415b89

Trump

http://www.newyorker.com/magazine/2016/07/25/donald-trumps-ghostwriter-tells-all

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Bukarest und Gospelkonzert

Der letzte Monat war für mich geprägt von meiner Reise nach Bukarest um Maria Fohringers Projekt für Straßenkinder kennen zu lernen und dem Gospelkonzert, das Dominic Fritz alljährlich in Timisoara aufführt.

Maria verbrachte nach ihrer Pensionierung als Sonderschullehrerin, ein Jahr als Freiwillige in der rumänischen Hauptstadt. Das war 1994/95 – etwa 4 Jahre nach der Revolution als noch große Lebensmittelknappheit und Mangel an allem Notwendigen herrschte. So musste man sich um Brot anstellen, eine Einbrenn aus schlechtem Fett und Mehl war ein Mittagessen, Milch gab es das ganze Jahr in Bukarest nicht, da die Infrastruktur nach wie vor zerstört war. Naheliegend, dass die obdachlosen Kinder, die in den Kanälen zu überleben versuchten, zu den allerärmsten Randschichten zählten, die am meisten litten. Maria half diesen Kindern mit Nahrungsmitteln und Kleidung, später  wurde für sie ein Zuhause geschaffen mit geregeltem Tagesablauf und Schulunterricht.

Mittlerweile wird das „Centru Sf. Marcellin Champagnat din Bucuresti“ von zwei Brüdern des Ordens der Maristen geleitet, Carlos und Juan Carlos. Die zur Zeit 32 Kinder und Jugendliche (5 bis etwa 18) sind auf vier Häuser aufgeteilt und werden von einem Team von ErzieherInnen und PsychologInnen, betreut. Ziel ist es diesen Kindern ein familienähnliches Umfeld zu bieten das es ihnen ermöglicht sich so wohl und sicher zu fühlen, dass sie einem geregelten Schulbesuch nachgehen und einen Beruf erlernen können.
Was ich im Zentrum in Bukarest erleben durfte beeindruckte und überzeugte mich: es war neben der kompetenten Begleitung und Betreuung vor allem der liebevolle und fürsorgliche Umgang mit den Kindern, der meiner Meinung nach die beste Basis bildet für eine Reintegration und ein späteres eigenständiges, geregeltes und hoffentlich geglücktes Leben.

 

GOSPELKONZERT 2016 in Timisoara

Dominic Fritz, ein ehemaliger JEV (2003/4), kommt alljährlich nach Timisoara um mit einem Chor aus Laien (mittlerweile etwa 100 Personen), 7 Solisten und Band einen Konzertabend mit Gospelliedern zu bestreiten.
Eine Woche wird täglich abends geprobt, dann muss es passen. Da die meisten Leute nicht Noten lesen können, gibt es nur den Text. Die vierstimmigen Stücke werden ausschließlich nach Gehör erlernt (kein Problem) man muss sie sich aber auch genau merken (schon ein Problem). Für mich als musikalisch gebildeter Mensch war dieser Zugang höchst spannend und unterhaltsam. Mit Band wurde nur einmal vor der Generalprobe gesungen – ich kann nur sagen, der Mann hat Mut und viel Gelassenheit. Die Beginnzeiten der Konzerte sind als Richtwerte zu verstehen, ein typisch rumänisches Phänomen. Beim Konzert selber wird das Publikum eingebunden, erlernt drei Stimmen eines Liedes und darf mit- und auch solosingen. Die Lieder werden von Dominic erklärt, übersetzt oder kommentiert, je nach Bedarf. Insgesamt eine sehr vergnügliche, aber auch berührende Sache. Dieses „sich Zeit nehmen“ dauert natürlich, kein Problem in Rumänien: das Konzert am Samstag sollte um 20:00 beginnen (tatsächlich: 20:25) und endete um 23:35. Nach dem Konzert am Sonntag, das auch von einigen Kindern aus der Tagesstätte für Menschen mit besonderen Bedürfnissen mit großer Begeisterung besucht wurde, geht es zur Afterparty ….

In dieser Tagesstätte gab es letzte Woche eine große Aufregung: einer der Jugendlichen, die alleine nach Hause gehen, kam nicht zu Hause an. Große Suchaktion, nach eineinhalb Stunde finden wir ihn: sein Rad hatte einen Defekt, er konnte nicht weiterfahren, blieb daher in dem Garten, wo er gerade war und wartete. – Er wusste, er musste auf sein Rad achtgeben. Er spürte die Aufregung, war verwirrt und schuldbewusst. Niemand hatte ihm gesagt was er tun sollte wenn es ein Problem gab. Er hat mir total Leid getan

 

Und noch ein Nachsatz zur Bundespräsidentenwahl: DANKE für jede Stimme für Herrn Van der Bellen (mit 0,3% über 50% kam es auf jede an!) – ich bin unsäglich erleichtert, dass wir einen besonnenen, respektvollen Repräsentanten haben.

Übrigens, der verstorbene deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte in seiner Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Europa:

„Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass,
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

Natürlich gibt es Probleme und Schwierigkeiten. Die Frage ist wie werden wir sie lösen: miteinander oder gegeneinander?

 

 

 

Das gibt zu denken …

Ein befreundeter Rumäne hier in Timisoara hat mich gebeten, ihm zu helfen österreichische Websites für Gebrauchtwagen einer bestimmten Marke zu finden, er würde gerne in Österreich ein Auto kaufen. Warum er denn nicht ein Auto hier in Rumänien kauft, wo es vermutlich günstiger ist, will ich wissen. Daraufhin erzählt er mir, dass er sein derzeitiges Auto in Deutschland übertragen vor 13 Jahren kaufte. Einer seiner Bekannten erwarb ein Auto derselben Marke, selbes Modell neu in Rumänien  –  und hatte von Beginn an ständig Probleme mit dem Fahrzeug. Natürlich kann das ein Zufall sein, aber sein Eindruck ist, erklärte er mir, dass die Qualität der Autos in Osteuropa schlechter ist.

Ich habe mich schon öfter darüber gewundert dass österreichische oder deutsche Waren privat hier eingeführt werden, obwohl sie hier zu kaufen sind. Der Tenor mehrerer, diesbezüglicher Gesprächen lautet: Die Produkte hier sind minderwertiger oder fehlerhaft. Es wird darüber gesprochen als wäre es selbstverständlich …
In Deutschland / Österreich bleibt das qualitativ Hochwertige, der Osten bekommt den Rest. Welches Gefühl bekommt man als BewohnerIn dieses Landes?  Kein Wunder, dass die jungen, engagierten, gut ausgebildeten Menschen ins Ausland wollen (und auch gehen), natürlich ins westliche. Von den Nachbarländern, Bulgarien, Serbien, Ungarn, Moldawien, Ukraine ist NIE die Rede.
Sollte dieser Eindruck tatsächlich zutreffen, brauchen sich Strache, AfD und ähnlich Gesinnte nicht über zahlreiche Zuwanderungswillige wundern, das Problem ist zumindest zum Teil hausgemacht. Die Haltung „Wir sind die Besseren und bekommen daher das, was uns zusteht, nämlich das Beste“, lädt dazu ein anziehend zu wirken. Gleichzeitig erinnert mich das auf sehr unangenehme Weise an die Propaganda unserer noch nicht lange vergangenen Geschichte. Könnte es sein, dass da nach wie vor Gedankengut in den Hinterköpfen sitzt (und möglicher Weise auch gelebt wird), Gedankengut, das oft als überwunden gilt?

In der Zwischenzeit hat mich die Realität in Form der Bundespräsidentenwahl eingeholt. Na bravo, das habe ich mir gewünscht:
einen Bundespräsidenten
– der ankündigt, sein Amt in noch nie da gewesenem Ausmaß auszureizen
– der die dunklen Seiten unserer Vergangenheit leugnet
– der eine äußerst fragwürdige Einstellung zu den Menschenrechten hat
– der am Gängelband seines Parteivorsitzenden hängt
– der öffentlich Stimmung gegen Flüchtlinge macht
BITTE werdet aktiv um das zu verhindern! Macht in eurem Bekanntenkreis bewusst, woher dieser Mann beeinflusst wird. Jung, dynamisch und medienwirksam bedeutet noch nicht gut. Auf Haider und seine Buberlpartie sind damals auch viele reingefallen, zu viele und die wenigsten scheinen wahrhaben zu wollen, welches Erbe er hinterlassen hat. Darf ich erinnern:  „Kärnten wird reich!“, „Es gibt keine Investmentbank, die uns nicht schon gratuliert hat“, das waren Haiders Worte zum Verkauf der Hypo-Mehrheit an die Bayrische Landesbank 2007 – was danach kam ist bekannt und wird unser Budget noch lange belasten.

Hoffnung gibt mir hingegen, dass Van der Bellen und Griss gemeinsam über 40% der Stimmen erhielten, beide gaben sich unpopulistisch und argumentierten differenziert. Das bedeutet ein hoher Prozentsatz der WählerInnen hat bewusst auf Argumente gehört statt auf Schlagworte. Ich hoffe, dass sich in der entscheidenden Stichwahl eine Mehrheit für Besonnenheit und Menschenrechte entscheidet statt für „hau ruck“ (Auflösung der Regierung) und Ausgrenzung, auch wenn sie überzeugend kommuniziert werden.

Eure besorgte Maria aus Timisoara

Was mir so zwischendurch als lesenswert / unterstützenswert unterkam und ich empfehlen möchte:

Jeder Mensch hat ein Recht auf Menschenrechte:

https://www.amnesty.at/de/menschenrecht/?from=nlsie

Ad Flüchtlinge:

http://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/2194.die-wirklich-teuren-fluechtlinge-sind-die-steuerfluechtlinge.html

Gegen Trumps Kanditatur:

https://secure.avaaz.org/en/deartrump113/?tDUQyab

AUFSTEHEN:

https://www.aufstehn.at/anstand-statt-notstand

Panama Papiere:

http://www.vice.com/de/read/warum-die-panama-papiere-dir-nicht-egal-sein-sollten-462

Hier noch etwas zur Unterhaltung:

http://www.livebiz.ro/video/tobosarii-top-secret-spectacol-fascinant/

Auch das ist Rumänien ….

Die Problematik der gesundheitlichen Versorgung scheint zum Dauerbrenner zu werden, jedoch ….

 

Ein Kind hat Zahnschmerzen, die Eltern haben nicht das Geld um den Zahnarzt zu bezahlen, was passiert? Nichts. Man lässt das Kind leiden und die Zähne verrotten.

Sehr schwer auszuhalten für eine an das österreichischen Gesundheitssystem gewöhnte Person wie mich. Ich frage im Projekt nach, ob man da etwas machen kann, man kann nicht. Ich erzähle davon im Kloster, den Salvatorianer Schwestern, besonders der, mit der ich zusammenarbeite, den Menschen, denen ich mehr oder weniger zufällig begegne, eigentlich allen, denn es beschäftigt mich ständig und lässt mich nicht los. Ich bekomme verschiedene Tipps: es gibt eine Zahnärztin, die regelmäßig in die Messe kommt, die könnte man fragen, ob sie das Kind behandeln könnte. Das wäre für diesen einen Fall eine Möglichkeit, aber die anderen Kinder? Und im nächsten Jahr?

Beim Faschingsfest treffe ich eine Frau der ich das natürlich auch erzähle. Sie meint sie kennt jemanden an der Universitätsklinik, sie wird einmal nachfragen. Das klingt gut. Nach ein paar Tagen bekomme ich eine Telefonnummer, ich kann mit der Professorin sprechen. Sie ist sehr entgegenkommend, ich kann das Kind bringen. Der Termin wird für die nächste Woche festgelegt. Ich muss nur noch den Transport hin und zurück organisieren. Auch das gelingt nach einigen Schwierigkeiten.

Die Professorin an der Zahnklinik behandelt mit ihren StudentInnen bedürftige Menschen gratis, darf allerdings keine Eingriffe mit Vollnarkose vornehmen. Der erste Termin dient dazu, einander kennenzulernen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Es werden präventive Maßnahmen gesetzt, dem Kind wird vorgeführt wieviel Plaque sich auf seinen Zähnen befindet, diese werden gebürstet und die weiteren notwendigen Behandlungen abgeklärt. In diesem Fall: nächste Woche der erste Behandlungstermin für kleinere Korrekturen, jedoch wird auch eine OP für eine Extraktion benötigt. Das ist die nächste Herausforderung.

Vorerst bleibt der Jubel: hier gibt es eine Möglichkeit auch für die anderen Kinder des Projektes die Gesundheit ihrer Zähne kontrollieren zu lassen und zu verbessern :)))

 

 

 

Die Härten des Alltags / Das Rumänien, das ich liebe

 

Da ich schon längere Zeit nicht von mir hören ließ, ein paar Zeilen …

Die Härten des Alltags

Ich arbeite hauptsächlich mit sozial benachteiligten Kindern und jungen Erwachsenen mit besonderen Bedürfnissen. Auffällig ist bei vielen Kindern der augenscheinlich katastrophale Zustand der Zähne – bei vielen sind sie an den Rändern schwarz. Dementsprechend sieht man viele junge Erwachsene mit Zahnlücken. Das scheint normal zu sein.
In meinen Projekten plane ich eine Umfrage zu Zahn-/ Mundhygiene durchzuführen, um herauszufinden wie in den Familien mit einfachen, präventiven Maßnahmen der Gesundheits= vorsorge umgegangen wird.

Ich selber habe, glücklicherweise, noch keine persönliche Erfahrung mit Einrichtungen des Gesundheitswesens machen müssen. Was aber überraschend und fast unglaubwürdig klingt ist die von mehreren Leuten vertretene Aussage, dass sie zwar eine Krankenversicherung haben, aber trotzdem zahlen müssen, wenn sie zum Arzt gehen oder ins Spital müssen.
Wozu hat man die Versicherung? – Sie berechtigt dich ins Spital / zum Arzt zu gehen. Die Behandlung musst du aber zahlen. Wie bitte??? – Ich hoffe ich hab‘ da irgendetwas falsch verstanden.

Das Rumänien, das ich liebe

Meine Vorderradbremse ist gerissen, also bleibt nur die Rücktrittbremse, die ich nicht gewohnt bin zu benützen. Das passiert natürlich am Abend, Freitag Abend. Ich brauche das Fahrrad Samstag Vormittag, Nachmittag, Sonntag – eigentlich immer und zwar in einem verkehrstüchtigen Zustand. Also suche ich „meinen“ Fahrradmechaniker auf in der Hoffnung, dass er Samstag Vormittag in seiner Werkstatt ist und mein Rad repariert, sofort nach Möglichkeit.
Er ist tatsächlich da, winkt mich herein, sieht sofort was zu tun ist, lässt alles liegen und stehen und hat in 5 Minuten den Schaden behoben. Kostenpunkt: 5 Lei (€ 1,12).
Diese Unkompliziertheit begeistert mich.

 

Neues von TTIP, CETA … http://www.attac.at/

 

Begegnung mit einem Heiligen

 

Wir feierten ein Fest

Nein, nicht Weihnachten, das kommt erst. Wir feierten
Pater Bernos 80. Geburtstag

1.Kurzfassung (nüchtern): Für sein vielseitiges soziales Engagement in Timisoara (siehe unten) wurde Pater Berno im Rahmen eines Festaktes die höchste Auszeichnung der BRD, das Bundesverdienstkreuz, verliehen. Im Festgottesdienst erhielt er zusätzlich das Ehrenabzeichen der Diözese Temeswar.

2.Kurzfassung (emotionell): Ich bin einem Heiligen begegnet. Er hat unzähligen Menschen am Rande der Gesellschaft ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Wenn sie ihm begegnen kommen sie mit leuchtenden Augen auf ihn zu um ihre Verehrung für ihn auszudrücken.

Who is Pater Berno?
– Ein Salvatorianer aus Bayern, der bald nach der blutigen Revolution in Rumänien 1989, die die Diktatur von Ceausescu beendete, nach Rumänien ging, die Not der Menschen sah und sich so angesprochen fühlte, dass er Einrichtungen schuf um die Situation dieser Menschen zu verbessern. Besonders schlimm war für ihn das Leben der Straßenkinder mitansehen zu müssen, die vor seiner Kirche am Piata Balcescu im Kanal zu überleben versuchten.
Er initiierte und baute daraufhin etliche Sozialeinrichtungen auf:
Die Suppenküche in Timisoara: im Salvatorianer Kloster wird seit damals täglich von der Köchin ein Riesentopf Suppeneintopf gekocht, der in einem eigenen Raum an die Gäste ausgeteilt wird – eine der Aufgaben der JVs (Jesuit Volunteers), heuer also auch meine. Besonders in der kalten Jahreszeit ist der Andrang groß – welches Schicksal wohl hinter jedem dieser Gesichter steckt?
  Das Nachtasyl für Obdachlose um den Kindern die kalten und unsicheren Nächte auf der Straße zu ersparen, wo das Recht des Stärkeren herrscht. Im Nachtasyl bekommt man ein Nachtmahl und ein Bett. Während des Tages ist es geschlossen. Die sichere Nachtruhe bedeutet aber gleichzeitig sich wieder gewissen Regeln unterordnen zu müssen, ein wesentlicher Lernschritt auf dem Weg zu einer eventuellen Reintegration in die erwerbstätige Gesellschaft.
Beim Besuch dieser sehr wichtigen Einrichtung in Timisoara fiel mir auf: Alle kennen und schätzen Pater Berno, obwohl er seit seinem schweren Unfall nur noch selten hier ist. Auch die rauesten Gestalten kommen mit Hochachtung auf ihn zu – man spürt, dass sie verstanden haben, was sie ihm verdanken und sie haben ihn nicht vergessen.
So gut und wichtig das Nachtasyl auch ist, am Heimweg wurde mir bewusst, wie schwer es wohl sein muss für Kinder, die hier aufwachsen, aus diesem Milieu herauszukommen.
Die Farm in Bacova ist ein großes Areal mit Stallungen, Landwirtschaft, Mühle, Tischlerei und KFZ Werkstätte und einigen Wohnungen, errichtet um Menschen aus dem Nachtasyl den Einstieg in ein geregeltes Leben und in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Ein großartiges Projekt!
Casa Pater Berno de copii in Bacova, ist eine Nachmittagsbetreuung für Kinder aus benachteiligten Familien die hier die notwendige Unterstützung für einen erfolgreichen Schulabschluss bekommen.
Altenpflegeheim in Bacova für Menschen die Betreuung brauchen die ihnen zu Hause nicht ermöglicht werden kann.
Frauenhaus in Freidorf: überall auf der Welt scheint es häusliche Gewalt gegen Frauen zu geben. Pater Berno hat hier, am Rande von Timisoara ein Refugium für Frauen und ihre Kinder geschaffen von wo aus sie einen Neustart in Angriff nehmen können.

Pater Berno kann auf ein Lebenswerk blicken, das unglaublich reich und umfassend ist. Ich bin überzeugt: er gehört er zu den großen Heiligen unserer Zeit.
Darüber hinaus hat er aufgezeigt, wie Nachfolge Christi heute überzeugend gelebt werden kann: Er kam, sah die Not der Menschen, ließ sich davon berühren und handelte. So einfach ist das.

Um den Fortbestand dieser sozialen Einrichtungen zu sichern wurde die Pater Berno Stiftung (PBS) gegründet, die natürlich von Spenden lebt.

http://www.pater-berno-stiftung.de/

 

Kontrastprogramm: Mark Zuckerberg spendet 45 Milliarden Dollar. Wirklich?
Nachzulesen im folgenden Link:
http://community.attac.at/index.php?id=11482

ERSTE EINDRÜCKE

WARUNG: Die „ERSTEN EINDRÜCKE“ sind ziemich lang geworden. Daher hier eine Kurzfassung:
Es geht mir gut und Ich arbeite in 3 Projekten
> CARANI, eine Betreuungstagesstätte für Menschenmit besonderen Bedürfnissen
> BACOVA, eine Nachmittagsbetreuung (Aufgaben, Spiel, Sport, Musik …) für Kinder aus benachteilgten Verhältnissen
> SUPPENKÜCHE und BESUCHSDIENST in Timisoara
Ende der Kurzfassung 🙂

ERSTE EINDRÜCKE

Seit mehr als zwei Monaten bin ich hier in Timisoara, Rumänien, einer schönen und ehrgeizigen Stadt, die anstrebt ‚Europäische Kulturhauptstadt 2021‘ zu werden. Dementsprechend aktiv wird renoviert, erneuert und gebaut. Das ist besonders auffällig im Zentrum, wo die Straßen zur Zeit auf Fußgängerzonen umgebaut werden. Und da erlebt man bereits typisch Rumänisches: es wird nicht abgesperrt, wo gearbeitet wird, man steigt einfach über Löcher drüber, hebt das Fahrrad über frisch gelegte Steine, … muss halt aufpassen, dass man nicht abstürzt.

Mein Hauptverkehrsmittel ist das Fahrrad, aber ich habe auch eine Jahreskarte für die Öffis, was sehr angenehm ist. Ständige Begleiter hier sind ein Stadtplan und ein Öffi-Plan, damit ist schon viel gewonnen. Die regelmäßig benutzten Wege sind schnell vertraut geworden, ich hatte bisher nur eine Begegnung mit der Polizei im Zentrum wo das Fahrverbot für Fahrräder erweitert worden war, was mir, wegen mangelnder Sprachkenntnisse und nicht eindeutiger Beschilderung, entgangen war. Sie zeigten sich verständnisvoll und erklärten mir in gebrochenem Englisch, dass die Regeln geändert wurden.

Meine Aufgabenbereiche hier sind abwechslungsreich und in vielerlei Hinsicht für mich eine Herausforderung.
CARANI
Zwei Tage pro Woche arbeite ich in einer Tagesstätte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen. Diese liegt etwa eine halbe Stunde Autofahrt nördlich von Timisoara in Carani und ist in einem ehemaligen Pfarrhof untergebracht der schön renoviert und zweckmäßig gestaltet und eingerichtet ist.
Es ist das Verdienst einer deutschen Ordensschwester, dass es diese Einrichtung gibt. Sie hat 1993 mit viel Überzeugungskraft und Hartnäckigkeit dem damals alten Pfarrer die Erlaubnis abgerungen eine Behindertentagesstätte zu eröffnen und das in einem Land, in dem behinderte Menschen nur in der Familie blieben, ohne jegliche staatliche Unterstützung.
Die meisten Kinder werden morgens abgeholt und in die Tagesstätte gebracht, haben vormittags ein abwechslungsreiches Programm, bekommen ein Mittagessen, ruhen, spielen und werden am Nachmittag wieder nach Hause gebracht.
Was wird gemacht:
> Der Morgen beginnt mit einem gemeinsamen Sitzkreis und Rundgespräch zum persönlichen Befinden / Erleben (soweit das möglich ist),
> Es folgen alltägliche Wissensvermittlung (z.B. aktuelles Datum, Jahreszeit, lokale  Früchte ….)
> intellektuelle Schulung: Lesen, Schreiben, einfachstes Rechnen, ev. ein Gedicht oder eine Gedächtnisübung
> Basteln, meist zur Jahreszeit passend, die Räume werden damit dekoriert (zum Training der Feinmotorik)
> Sport, die Kinder nennen es so, es ist ein sehr individuell abgestimmtes Training zur Dehnung, Kräftigung und Koordination
> Individuelle Physiotherapie gibt es einmal pro Woche mit einer sehr engagierten Therapeutin
Das Zentrum leidet unter chronischem Personalmangel, da es keine geeignete Ausbildung gibt und junge Fachkräfte (aus einem früheren Lehrgang) lieber ins westliche Ausland gehen, wo das Gehalt wesentlich höher ist.
Ich werde bei den verschiedensten Tätigkeiten (siehe oben) eingesetzt, mache auch Musik mit den Kindern, aber vor allem Sport und unterstütze mit BowTech Behandlungen.
Das Besondere an dieser Einrichtung ist der liebevolle, ganz auf die Bedürfnisse der einzelnen Peron abgestimmte Umgang mit den jungen Menschen.

BACOVA
An zwei Tagen pro Woche fahre ich mit einer Ordensschwester nach Bacova, ein Dorf südöstlich von Timisoara. Hier gibt es ein Hospiz, eine Farm für Langzeitarbeitslose, die wieder in einen geregelten Arbeitsprozess eingegliedert werden sollen und eine Nachmittagsbetreuung für Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Für das Hospiz und die Farm bringen wir das in der ‚Cantina‘ frisch zubereitete Mittagessen, danach verbringe ich den Nachmittag mit den Kindern und betreue sie bei den Hausaufgaben, lerne Englisch mit ihnen, lehre sie ein wenig Gitarre spielen (das war zwar nicht geplant, hat sich aber ergeben – wie vieles hier) und unterstütze sie bei Sport und Spiel.

SUPPENKÜCHE und BESUCHSDIENST
Den 5. Arbeitstag verbringe ich mit der Ausgabe von Essen, das im Salvatorianer Kloster für bedürftige Menschen zubereitet wird. Einzige Bedingung um Einlass zu bekommen ist nicht alkoholisiert oder unter Drogen zu sein. Es gibt eine reichhaltige Suppe (mit Fleisch, Gemüse und Teigwaren) und Brot. Zwei Freiwillige reinigen anschließend die Tische und kehren zusammen. Ich bereite das Geschirr für den Industriegeschirrspüler vor und räume es anschließend wieder weg.
Am Nachmittag suche ich eine ältere, alleinstehende Frau auf. Sie freut sich besonders über meinen
Besuch, da wir das gemeinsam machen, was sie alleine entweder nicht kann, oder wozu ihr einfach der Antrieb fehlt. Sie erzählt vieles aus ihrem Leben und worüber sie sich Gedanken macht.

Obwohl dieses Jahr erst begonnen hat zeichnet sich bereits jetzt ab, dass es eines der prägendsten in meinem Leben werden wird. Das Eintauchen in eine andere Kultur ist spannend und bereichernd. Die Arbeit mit behinderten Menschen ist für mich neu und diese Schicksale kennen zu lernen oft erschütternd. Zugleich spüre ich eine tiefe Dankbarkeit diese Erfahrungen machen zu dürfen.

Der folgende Link zeigt kurze Videos von verschiedenen Einsatzorten der JV (Jesuit Volunteers) u.a. auch Timisoara (aus 2012/13).

http://jesuitenmission.at/index.php/videos

Hallo Welt!

Hallo, ich bin Maria und verbringe mein erstes Pensionsjahr als Jesuit Volunteer in Timisoara, Rumänien. Eigentlich wollte ich das nach meiner Matura machen, aber damals hieß es: „Machen Sie doch zuerst einmal eine Ausbildung.“ Machte ich, dann war aber Freund,  später Familie wichtiger. In der Zwischenzeit sind meine vier Kinder erwachsen und irgendwie drängte sich der Gedanke immer deutlicher in den Vordergrund: „Jetzt oder nie.“ – Also dann doch JETZT.

So reise ich Ende August nach Rumänien und beginne meinen neuen Lebensabschnitt mit ……

> rumänisch lernen

> Überlegungen, was wohl am wichtigsten ist einzupacken

> Abschied nehmen von all den Menschen die zurück bleiben – und das sind ziemlich viele …

> Trennen von vielen anderen Dingen, an denen ich hänge, wie z.B. meinen Zimmerpflanzen, meinem Garten …

ich merke, ich übe mich ein im Loslassen.

Liebe Grüße, Maria